Weiblichkeit – Brauch ich nicht

Ich bin eine Frau, natürlich bin ich weiblich, sonst hätte ich nicht zwei Brüste und eine Vagina.

 

Ich muss aber zugeben es gibt Momente, wo ich mich nicht weiblich fühle. Es gibt Tage da ziehe ich mich sexy und stylisch an und verlasse die Wohnung mit ausgestreckter Brust. Wenn mich dann Menschen auf der Straße ansehen denk ich mir nur „Ja, das bin ich. Ich bin glücklich mit mir und meinem Körper“. Da gibt es aber auch diese Tage, wo ich die Haare nicht hinkriege, wenn ich mich im Spiegel anschaue, kommt es mir vor als würde ich mich nicht erkennen und im Kleiderschrank finde ich keine Klamotten, die mir passen. Sobald ich mich dann doch auf die Straße traue und mich dann jemand anstarrt, kommen Gedanken wie “ Sehe ich so scheiße aus?“ „Warum starren mich alle an, ist was?“ und schon ist meine Weiblichkeit verschwunden.

In Beziehung sorgt diese Stimmung natürlich oft für Streit. Denn wenn man sich als Frau nicht weiblich und hübsch findet, dann kommt es gerne vor, dass sobald der Partner von einer Kollegin spricht oder nur diese eine Frau beim Spazieren einem entgegenkommt, zu der er mit kurzem Blick rüber blinzelt, unsere heile Welt zerstört und wir uns in einen Gedankenkreis begeben. „Findet er Sie hübsch?“ “ Ob er wohl keine Lust mehr auf mich hat?“

Wenn wir Frauen unsere Balance verlieren und die Liebe zu uns selbst sich in Unsicherheit verwandelt, können wir uns mit der Zeit regelrecht zu Furien entwickeln. Manche spionieren dann die E-Mails ihrer Partner aus nur um eine Bestätigung zu haben, dass wir immer noch gut genug sind. Andere provozieren kleine Streitigkeiten nur, um zu beweisen, dass er wohl doch nicht so glücklich mit uns ist, als er sagt. Das schlimmste das Frauen in ihrer Unsicherheit tun können, ist Männer mit Sexverzicht zu bestrafen, auch wenn man selbst Lust dazu hätte. Einem Mann aber die Kontrolle über den Sex wegzunehmen, ist nun halt ein Machtspiel, das wir gut beherrschen.

Natürlich hilft uns das gar nicht. Es macht alles nur noch schlimmer. Es kommt immer mehr zum Sexverzicht, bis der Mann aufgibt und nicht mehr danach fragt. Natürlich bemerken wir dies und stolpern in den nächsten Gedankenkreis. Wir fühlen uns ungeliebt, „Warum fasst er mich nicht an?“,“Warum will er kein Sex mehr?“, „Bin ich nicht hübsch genug?“,“Will er eine andere?“ und schon haben wir uns selbst in einen Teufelskreis katapultiert. Ein Teufelskreis den wir uns selbst erschaffen haben durch den Verlust unserer Balance zu uns selbst und der wachsenden Unsicherheit, die durch äußere Einflüsse gefüttert wird.

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Aber wo kommt das her ? Wie kommt man dazu sich in diesen Teufelskreis zu begeben?

Ich dachte immer Weiblichkeit bedeutet Schwäche. Eine sehr weibliche Frau ist eine schwache Frau. Dies wurde mir auch so vermittelt, ja fast anerzogen. Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, dass ich die Möglichkeit habe, schwach zu sein und einen Mann zum Überleben brauche. Was bedeuten würde, dass ich alles tun sollte, um ihn an mich zu binden. Dies habe ich als weibliche Frau interpretiert. Dann gibt es die zweite Möglichkeit frei zu sein, nicht abhängig zu sein und für mich selbst zu sorgen. Es ist nett einen Mann auf der Seite zu haben, aber wer braucht, das schon? Ich kann gut für mich selbst sorgen. Das Sinnbild einer freien starken Frau, die den männlichen Part mit übernimmt.

Nachdem die Pubertät losging und wir uns zu jungen Erwachsenen entwickelten, kamen die ersten Punkte, wo ich mich entschieden hab die starke Frau zu werden. In Momenten, wo Jungs versuchen, einem Mädchen unter den Rock zu schauen, kommen einem die Gedanken, warum noch Röcke tragen, wenn ich Hosen tragen, nerven sie mich nicht mehr. Ich erinnere mich an ein Mädchen in der Klasse, die große Brüste bekam, sie wurde schneller als Schlampe abgestempelt, als ihre Brüste wachsen konnten. Dies gab mir die Motivation meine zu verstecken, denn ich wollte nicht als Schlampe dastehen und als Frischfleisch für die Masturbationsgedanken der Jungs enden.

Kleine Gedanken, wo man sich später im erwachsenen Leben erinnert, und merkt, wie solche Situationen einen ein Leben lang in der eigenen Sexualität prägen.

 

„Ich bin gegen die Emanzipation. Durch die Emanzipation verliert die Frau ihre Weiblichkeit.

Was kann einer Frau schlimmeres passieren?“

Spohie Loren

Mit der Zeit ist mir klargeworden, dass dieses Bild, mit dem ich aufgewachsen bin, in zwei sehr weit entfernte Richtungen geht. Ich habe meine Weiblichkeit unterdrückt und hauptsächlich meine männliche Seite ausgelebt, mit der Zeit hatte ich immer mehr das Gefühl es fehlt etwas. Es hat mir gefehlt sinnlich zu sein, süße Sachen zu mögen, da sie mich sofort an Schwäche erinnert haben. Das Erlebte ist im Unterbewusstsein gespeichert und wird immer wieder aufgerufen, wenn ich versucht habe, einen Rock in der Öffentlichkeit zu tragen. Aber man kann sich doch nicht, aus Angst vor früherem Erlebtem sein ganzes Leben so einschränken.

Wie können wir dem entkommen?

Wie können wir die Verbindung zu uns und unserer Weiblichkeit wiederfinden? Wieder lernen selbstbewusst mit sich und der weiblichen Sexualität umzugehen, damit wir diesem Kreis der äußeren Beinflussung entkommen.

Schritt eins, lernen sich wieder selbst zu lieben. Das sagt sich so einfach, liebe dich selbst, aber wie soll ich mich selbst lieben, wenn ich zu dick, dünn bin… Tausend ausreden sich nicht zu lieben kann man in Sekunden finden. Sich aber vor den Spiegel zu stellen und zu sich selbst laut sagen, was alles toll an einem ist und wie schön man ist und was liebenswert an einem ist, das ist die Herausforderung.

Sind wir doch Mal ehrlich, wer hat das letzte Mal einen Spiegel genommen und seine wundervolle Vulva bewunderd angesehen, sich dabei gut und schön gefühlt und diesen Teil des Körpers wertgeschätzt? Na?

 

Genau. Dies ist aber ein wichtiger Prozess für eine Frau. Denn anders als Männer, die Ihren Penis und Hoden immer sehen, wenn sie aufs Klo gehen oder umziehen und beim Masturbieren in der Hand haben, sind wir als Frauen nicht wirklich mit unserem Intimbereich in Verbindung. Man kann sich auf dem Klo abwischen, ohne sich anzufassen, wenn man sich umzieht, sieht man auch nicht so viel, eigentlich wen wir nicht hinschauen oder bewusst hin fassen müssen wir uns nicht wirklich mit unserer Sexualität beschäftigen. Es ist einfach nicht existent. Anders ist es mit den Brüsten, die sind da und zeigen sich, jedoch haben wir oft komplexe mit unseren Brüsten. Ihr kennt das, sie sind zu klein, zu groß, hängen zu sehr… wir zwängen sie in enge BHs in der Hoffnung es sieht gut aus, die Nippel versteckt um ja keine dummen Kommentare zu bekommen und trotzdem hübsch damit Mann sie wertschätzten.

Wann fangen wir an uns zu lieben?

Wann fangen wir an unsere Weiblichkeit wieder zu umarmen?

Fang doch einfach mal an. Jeden Tag ein klein bisschen, wieder zu fühlen dich anzusehen und schöne Dinge zu entdecken. Dich selbst zu ehren, dir das Gefühl zu geben, was man alles geschafft hat. Nach und nach wird sich dieses Gefühl in dir speichern, bis du es mit jeder Zelle glaubst und überzeugt bist. Dann wirst du auch anfangen diese Überzeugung auszustrahlen.

 

„Eigenliebe ist der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft.“

Oskar Wild

Weiblichkeit – Wer braucht das schon? Ehm ja ich. Denn ich möchte mich voll und ganz Frau fühlen und trotzdem selbstständig und stark sein. Ich möchte mich mit einer filegranen Leichtigkeit verbinden und trotzdem meine feste Überzeugungen vertreten. Ich möchte meine Sexualität lieben und achten und mit Überzeugung kommunizieren was ich möchte. Ich möchte mich in den Arm des Partners legen und mich dabei voll und ganz meiner Weiblichkeit hingeben. Ich möchte den Mann auch in seiner männlichen Kraft unterstützen so, wie er mich in meiner weiblichen unterstützen sollte. So kommt man zum Ying und Yang, männlich und weiblich. Mann kann Mann sein und Frau kann Frau sein, dann kann man sich in der Energie auch austauschen und man fließt in einer schönen Balance.

Traut euch wieder mit eurer Weiblichkeit zu verbinden.

Traut euch und eure Sexualität zu entdecken und zu genießen.

Traut euch, es ist toll eine vollkommene und glückliche Frau zu sein.

 

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written by Stella

 

 

 

 

 

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