Was spürst du? – Nichts –

„Was spürst du?“ frage ich und schaue meinem gegenüber in die Augen.

„Nichts“ ist die Antwort.

„Wie fühlt sich dieses Nichts denn an?“ ist meine Gegenfrage.

„Hmm, na wie nichts, ich spür nichts“

„Kannst du mir beschreiben wie sich nichts anspürt denn bei mir ist immer etwas los, ob ich den Atem spüre oder meine Haut kratzt oder sonstiges.“ antworte ich mit einem netten lächeln.

Mein gegenüber starrt mich an und überlegt. „Naja ich habe an nichts gedacht und dann habe ich mein Atem wahrgenommen und es wurde ruhig.“

Ich schmunzle und sage „Das ist aber schon ganz viel für ein nichts“

Wir schmunzeln beide.

„Aber das ist doch nicht so wichtig, das kann doch nicht das sein?“ fragt mich mein gegnüber.

„Na klar. Genau, das ist wahrnehmen. Seinen Atem wahrzunehmen, Ruhe zu spüren, usw. das ist spüren, wahrnehmen, achtsamkeit.“ erkläre ich mit ruhiger Stimme.

„Ich stelle mir da irgendwie mehr drunter vor.“

„Was stellst du dir denn vor was du spüren sollst? Hast du eine Erwartung wie du spüren sollst? Erwartungen werden bekanntlich enttäuscht, denn Sie sind Bilder unserer Immagination und nicht der eigentlichen Realität. Die Frage ist was spürst du? In dem Moment gerade? Was nimmst du wahr? An welchen Gedanken, Bild, Farbe hast du gedacht?“ Ich merke wie sich die Stirn langsam runzelt und ich eine Athmospäre des Widerstandes bildet.

„Aber ich spür doch nichts, was aussergewöhnlich ist.“

„Was ist denn aussergewöhnlich?“

„Na, wenn man besondere Sachen spürt wie z.b. Edelsteine und andere Menschen was Sie haben.“ ein schweigen fühlt den Raum „Ich würde ja gerne mehr spüren aber ich kann nicht. Es geht einfach nicht“

„Ist es gerade warm oder kalt“

„warm“

„Du spürst also dass es warm ist. Leg deine Hand aufs Herz. Merkst du wie es schlägt?“

„Ja“

„Na dann hast du mir gerade bewiesen dass du spüren und fühlen kannst ob es dir warm ist und dein Herzschlag spürst du auch.“ Wieder stille.

„Hattest du schon mal dass wenn du an jemand gedacht hast, derjenige angerufen hat oder dir eine Naricht geschrieben hat?“

„Ja, klar.“

„Hast du denn auch schonmal das Gefühl gehabt jemand sollte nicht näher kommen und es kam dir vor er würde in deine Grenze überschreiten?“

„Ja, das hat doch jeder.“

„Genau das ist spüren. Wir machen es oft instinktiv. Warum mögen wir es nicht wenn jemand zu nahe kommt. Was spürt man, meist dass der Raum zwischen uns sehr dick wird, als würde sich etwas gegen uns pressen und es ist nicht genug Platz.“

„Ok, und was soll ich damit machen?“

„Lernen. Immer wieder zu schauen und wahrzunehmen was passiert. Wann entscheide ich mich instinktiv? Wie Nahe komme ich einem Menschen. Spüre ich wenn es meinem Partner nicht gut geht? Denke ich daran doch lieber den Bus zu nehmen anstatt das Auto? Wie entscheide ich was ich esse, nehme ich etwas wonach mein Verstand mir sagt das will ich und spüre ich dabei ein schlechtes Gewissen oder eine freude im Magen? Schritt für Schritt kannst du lernen achtsamer zu werden. Steine spüren und co. kann man immer lernen, am besten man fängt bei den Alltäglichen momenten an und lernt dann immer schneller seinem Spüren und inneren Gefühl zu folgen und zu vertrauen.“

„Hmm. Ich werde das mal probieren“

 

 

Wir suchen oft Antworten im aussen. Wir wollen grösser, besser und vergessen oft zurück zu den Wurzeln zu gehen. Die einfachen Dinge wieder wahrzunehmen und damit meine ich unseren Körper. Es geht schon mit einfachen Sachen los, wie mit dem Atmen. Wenn wir wieder lernen achtsam zu atmen und wenn wir dann in Stress Situationen sind, einmal achtsam tief ein und ausatmen können wir unseren Stress, einfach reduzieren. Wenn wir einfach mal innehalten auf die Decke starren, eine Wand oder zum Fenster raus und uns richtig strecken, dann können wir unserem Rücken mit voller Aufmerksamkeit etwas gutes tun.

Wenn wir die Speisekarte im Restaurant ansehen und wir haben diesem Moment von das möchte ich und nicht mit dem Verstand sondern mit dem Gefühl, dann können wir unser essen drastisch ändern. Denn wie oft essen wir etwas weil der Gedanke daran so gut ist obwohl unser Gefühl „Salat“ ruft. Villeicht ist es ja sogar umgekehrt und wir essen einen Salat aus schlechtem Gewissen obwohl unser Gefühl sagt, ich brauch was deftiges und später erwischen wir uns dass wir wieder hunger haben und dann snacken.

Eins kann ich euch versprechen, wir können nicht nichts spüren. Denn wenn wir nichts spüren sind wir tot. Es ist eher ein noch nicht wissen, was wir beschreiben sollen oder wir finden die Wörter nicht, manchmal wissen wir auch nicht was wir zuerst beschreiben sollen. Denn sogar wenn wir querschnittsgelähmt oder andere Einschränkungen oder Krankheiten haben macht der Körper sich bemerkbar.

Ich kenne jemanden (gelähmt ab unterer Rücken) der nach einem längeren Gespräch gesagt hat „Ja, es stimmt. Ich spüre meine Füsse nicht aber jedesmal wenn etwas mit meinen Füssen nicht in Ordnung ist, habe ich ein mulmiges Gefühl. Wenn mein unterer Körper arbeitet z.b. in der Massage, spüre ich meine Beine nicht aber mein Körper fängt an zu schwitzen. So weiss ich was los ist.“

Unser Körper möchte immer mit uns kommunizieren und wenn diese Kommunikation durch einen Unfall oder ein andere Sache nicht mehr funktioniert oder wir Ihm nicht zuhören wollen, sucht er sich einen neuen Weg. Wir müssen nur lernen Ihm wieder zu zuhören und zu spüren. Wir müssen lernen unserem Körer und Gefühl unserem spüren wieder zu vertrauen.

 

 

 

 

 

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One Comment

  1. Leserbeitrag
    13 Stunden ago

    INGRES 7. März 2018 at 13:39 Übrigens Poschardt muß noch nicht mal etwas glauben. Es kann einfach sein, dass in seinem ideologisierten Gehirn die ideologischen Bahnen so fest gebahnt sind, dass er von diesen Bahnen beherrscht, die entsprechenden geistigen Inhalte rein instinktiv ausstößt. Ich habe das immer in den Gegensatz gefaßt, dass die meisten (es ist ja auch ein Alltagsphänomen) von ihren Gehirnen beherrscht werden, während ich mein Gehirn beherrsche. Allerdings weiß ich nicht wie ich logisch begründen soll, dass ich mein Gehirn beherrsche, ich habe nur das Gefühl, dass es so ist. Ich muß mal wieder drüber nachdenken.

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